Notfallvorsorge und Katastrophenschutz
Der Schutz des kulturellen Erbes gewinnt angesichts zunehmender globaler Krisen an Dringlichkeit. Neben der Gefährdung der Sammlungen durch Diebstahl oder Brand sehen sich Museen in wachsendem Maße Bedrohungen durch Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Hitzewellen oder Stürme ausgesetzt. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine zeigt zudem, dass auch in Europa die massenhafte Zerstörung von Kulturgut durch bewaffnete Konflikte wieder ein ernstzunehmendes Szenario ist.
Präventive Maßnahmen zur Sicherung des kulturellen Erbes waren und sind daher eine zentrale Zukunftsaufgabe für Kulturerbeinstitutionen. Die Museen stehen dabei nicht allein: Die KRITIS-Strategie des Bundesministeriums des Inneren zählt Kulturgut aufgrund seiner identitätsstiftenden Bedeutung zur kritischen Infrastruktur. Das bedeutet, dass der Kulturgutschutz im Katastrophenfall eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen ist.
Angesichts dieser Herausforderungen hat der Museumsverband Brandenburg im Herbst 2025 unter dem Titel „Offensive Kulturgutschutz für das bewegliche Kulturerbe im Land Brandenburg“ eine Projektidee vorgelegt, an deren Umsetzung wir ab 2026 intensiv arbeiten.
Die ersten Schritte zu Notfallvorsorge und Katastrophenschutz müssen die Museen selbst leisten. Egal, wie klein oder groß ein Museum ist: es muss auf einen möglichen Notfall vorbereitet sein. Wir stellen im Folgenden die wichtigsten Schritte vor, die ein Museum gehen sollte, um sich auf einen Notfall vorzubereiten. Der Museumsverband bietet zu allen Punkten Beratung und Unterstützung an. Auch in unserem Weiterbildungsprogramm finden Sie immer wieder Veranstaltungen zu diesem Themenbereich. Sprechen Sie uns gern an!
1. Risikoanalyse
Der erste Schritt zur Vorsorge ist die Risikoanalyse: Welchen möglichen Gefahren ist mein Kulturgut ausgesetzt? Liegt das Museum im hochwassergefährdeten Gebiet oder drohen im Falle von Starkregen Wassereinbrüche? Sind Ausstellungsräume und Depots ausreichend vor Diebstahl und Feuer geschützt? Sind die technischen Anlagen funktionsfähig? Sind mögliche Evakuierungswege frei?
Einen guten Einstieg in die Analyse bietet der Fragebogen des SicherheitsLeitfadens Kulturgut (SILK). Einen tiefergehenden Fragebogen haben Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen erarbeitet.
Hilfreich bei der Risikobewertung ist auch eine Auflistung der in der Vergangenheit im eigenen Haus bereits aufgetretenen Schadensereignisse.
2. Erstellung eines Notfallplans
Auf Basis der festgestellten Risiken wird ein Notfallplan erarbeitet. Dieser Notfallplan ist auf jedes Museum individuell zugeschnitten und berücksichtigt die Besonderheiten der Sammlung, des Gebäudes bzw. der Liegenschaft und nicht zuletzt auch die Personalkapazität. Wir empfehlen Ihnen sehr, sich bereits im Zuge der Erarbeitung des Notfallplans mit Vertretern der örtlichen „Blaulichtorganisationen“ (Polizei, Feuerwehr, ggf. Technisches Hilfswerk) in Verbindung zu setzen. Lassen Sie sich von Fachleuten auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes beraten, denn letztlich werden es diese Menschen sein, die das Kulturgut im Ernstfall aus dem brennenden oder überschwemmten Museum herausholen.
Ein Musterbeispiel für einen Notfallplan und Hinweise für die Erarbeitung eines solchen Plans finden Sie hier. [hier verlinken: www.museen-brandenburg.de/fileadmin/Handreichungen/Musternotfallplan_Weimar.pdf] [hier verlinken: www.museen-brandenburg.de/fileadmin/Handreichungen/Leitfaden_Notfallplan_2012_Schweiz.pdf]
3. Material für den Notfall
Für die erste Schadensbegrenzung im Notfall sollte jedes Museum eine Notfallbox oder ein kleines Materiallager haben. Neben Reinigungsmaterialien enthält so eine Box auch Verpackungsmaterial, Werkzeuge und Arbeitskleidung für das Museumsteam. Im aktuellen SILK-Leitfaden [hier verlinken: www.museen-brandenburg.de/fileadmin/Handreichungen/silk-sicherheitsleitfaden-kulturgut_2021.pdf] finden Sie auf S. 21 eine Zusammenstellung der wichtigsten Dinge, die in eine Notfallbox gehören.
Der Museumsverband Brandenburg hat mit Fördermitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur 2025 Notfallboxen angeschafft, die u.a. zu Schulungszwecken verschiedenen brandenburgischen Museen zur Verfügung gestellt werden. Ergänzend werden wir im Laufe des Jahres 2026 digitale Schulungen zum Gebrauch der Notfallboxen anbieten. Schauen Sie in unser Veranstaltungsprogramm! [hier verlinken: www.museen-brandenburg.de/veranstaltungen/weiterbildungen]
4. Vernetzung im Notfallverbund
Im Notfall ist es gut, wenn man Partner hat, auf die man sich verlassen kann. Die erste Unterstützung erhalten Sie in der Regel von der Feuerwehr, bei größeren Schadenslagen vom Technischen Hilfswerk (THW). Aber wer kümmert sich z.B. um die Sicherung der beschädigten Objekte? Im Fall eines größeren Schadens, kommt das Personal eines Museums schnell an seine Grenzen. Hier können Kolleginnen und Kollegen aus benachbarten Häusern die Rettung sein, die sich mit Ihnen schon vorab zu einem Notfallverbund zusammengeschlossen haben. Die Teilnehmenden eines Notfallverbunds verpflichten sich, einander im Katastrophenfall beizustehen: mit Personal, mit Material, mit Transport- und Unterbringungskapazitäten.
Im Land Brandenburg gibt es bisher folgende Notfallverbünde mit Museumsbeteiligung:
Notfallverbund Cottbus und Spree-Neiße (Kontakt: matthias.rindt@spam.pueckler-museum.de)
Notfallverbund Elbe-Elster (Kontakt: babette.weber@spam.lkee.de)
Notfallverbund Frankfurt (Oder)/ Słubice (Kontakt: Sebastian.Richter@spam.bundesarchiv.de)
Notfallverbund der Stadt Potsdam (2026 in Gründung, Kontakt: dirk.berger@spam.rathaus.potsdam.de)
Notfallverbund Prignitz (2026 in Gründung, Kontakt: gordon.thalmann@spam.lkprignitz.de)
Wenn Sie planen, einen Notfallverbund zu gründen, nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf!
Alexander Sachse
sachse@museen-brandenburg.de
Tel. 0331 / 23 27 914
