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Die Mirow-Kartei. Ein "Gesamtkatalog märkischer Heimatmuseen"

Geschichte · Die Kartei · Das Projekt

Geschichte

Im Kriegsjahr 1942 beginnt im Museumsreferat der brandenburgischen Provinzverwaltung ein ambitioniertes Vorhaben. Angesichts der zunehmenden alliierten Flächenbombardements sollen die Objektbestände der brandenburgischen Heimatmuseen systematisch in einer Kartei erfasst werden, inklusive Fotografie. Das Ziel ist eine "Gesamtkartei", die den Status quo der brandenburgischen Museumssammlungen zu diesem Zeitpunkt dokumentiert. Initiatoren des Vorhabens sind der ehemalige Museumsleiter des Kreismuseums Lebus in Müncheberg Georg Mirow, zu dieser Zeit Museumsreferent bei der Provinzialverwaltung, und sein Vorgesetzter, der Museumspfleger Oskar Karpa. Zwischen 1942 und 1944 führt man zur Erfassung der Museumsbestände Bereisungen durch, greift aber auch auf vorhandene Archive und vereinzelt auf Publikationen zurück. Die Kartei wächst stetig. Dann allerdings müssen die Arbeiten kriegsbedingt eingestellt werden.

Die schlimmsten Befürchtungen treffen ein. Keine Region Deutschlands wird von den Kämpfen des Jahres 1945 so einschneidend und nachhaltig gezeichnet wie die Mark Brandenburg. Im Vor- und Umfeld der Schlacht um Berlin erreichte der Furor des Krieges noch einmal einen Höhepunkt. Auch die brandenburgische Museumslandschaft mit ihrem Kulturgut erleidet 1945 erhebliche Verluste: kaum ein Museum, das nicht an Gebäude und/oder Sammlung Schaden genommen hätte. In der Nachkriegszeit steigerten sich die Verluste durch Plünderungen und Beschlagnahmungen.


Kriegsverluste der brandenburgischen Museen beispielhaft bezogen auf die archäologischen Sammlungen. Die Größe der Tortendiagramme entspricht der geschätzten Sammlungsgröße. Museumsverband des Landes Brandenburg e.V., CC BY-NC-SA


Die "Gesamtkartei" entging einem Totalverlust. Aus den Trümmern geborgen, gelangte sie zwischenzeitlich in Privatbesitz des Museumspflegers Georg Mirow und wurde nach dessen Tod 1954 zerstreut. Im Zuge von Provenienzforschungsprojekten des brandenburgischen Museumsverbandes wurde deutlich, dass Fragmente der Kartei in verschiedenen Berliner und brandenburgischen Institutionen überdauert haben:

  • Landesgeschichtliche Vereinigung, Berlin: 285 Karteikarten mit dem Schwerpunkt Sakrale Kunst, liturgisches Gerät in Kirchen und Museen
     
  • Albert Heyde-Stiftung, Bad Freienwalde: ca. 2.300 Karteikarten, außerdem lose Fotos und Negative mit dem Schwerpunkt Volkskundlich-kulturgeschichtliche Bestände
     
  • Museum Angermünde: 155 einzelne Negative (6 x 6) in Pergamin-Taschen und entsprechende Kontaktabzüge, Aufnahmen der Sammlung von der Hagen in Schmiedeberg/Uckermark.
     
  • Museumsverband Brandenburg, Potsdam: ca. 350 unbezeichneten Abzügen im Format 13 x 17,5 cm mit dem Schwerpunkt bürgerliche Sachkultur des Biedermeier

        
Damit sind nach jetzigem Stand rund 3.910 Dokumente zur ehemaligen Gesamtkartei wiederentdeckt.
 

Die Kartei

Der „Gesamtkatalog“ umfasste nach bisherigem Kenntnisstand im Kern eine fotografische und deskriptive Dokumentation der Sammlungsbestände von ca. 50 Museen im „Gau Mark Brandenburg“: Angermünde, Beelitz, Berlin (Museum für dt. Volkskunde), Berlin (Märkisches Museum), Bernau, Brandenburg, Cottbus, Crossen, Dahme, Driesen, Drossen, Eberswalde, Forst, Frankfurt, Friedeberg, Friesack, Fürstenwalde,   Guben, Havelberg, Heiligengrabe, Jüterbog, Königsberg, Küstrin, Landsberg, Luckau, Luckenwalde, Lübben, Lübbenau, Müncheberg, Nauen, Neuruppin, Perleberg, Potsdam, Prenzlau, Rathenow, Schmiedeberg (Sammlung von der Hagen), Schwedt, Senftenberg, Soldin, Sommerfeld, Sonnenburg, Sorau, Spremberg, Stettin, Strausberg, Velten, Vetschau, Wittenberge, Zossen, Züllichau. Daneben waren Privatsammlungen, Gutshäuser, Kirchen und kriegswirtschaftliche Metallsammlungen vertreten.

Der ursprünglich wohl ca. 7.000 Karteikarten umfassende Katalog bietet aufgrund seines beachtlichen Umfangs und seiner qualitätvollen fotografischen Dokumentation erstmals die Möglichkeit, Museumsobjekte eindeutig zu identifizieren und zuzuordnen. Die professionell gemachten Aufnahmen liegen gewöhnlich in Form von Abzügen im Format 13 x 18 cm vor, die Karteikarten, auf denen die Fotos aufgeklebt sind, haben entweder das Format A 5 oder das Format A 4 (zusammengeklappt ebenfalls A 5). Die Bilder zeigen Einzelobjekte, aber auch Museumsinterieurs, Teile von Ausstellungsräumen und Außenansichten von Museen. Auf den Karteikarten sind Bezeichnungen und Kurzbeschreibungen der Objekte vorhanden.


Karteikarte Vorderseite, Karteikarte Rückseite mit Aufdruck "Gesamtkatalog der mätkischen Heimatmuseen", Objektfoto und Rückseite des Fotos zum ehemaligen Bestand des Museums Prenzlau (Albert Heyde-Stiftung, RR-F)



Links das bisher einzig wiederentdeckte Verzeichnis der erstellten Fotos, hier Museum Schwedt (Archiv Landesgeschichtliche Vereinigung der Mark Brandenburg, RR-F), rechts die im Verzeichnis aufgeführte Karteikarte mit Foto der Ausstellungsansicht 1937 (Albert Heyde-Stiftung, RR-F)

Die für Brandenburg in den Jahren 1942/44 erstellte Dokumentation in Form eines „Gesamtkatalogs“ ist in dieser Form einzigartig. In den meisten Fällen finden sich im „Gesamtkatalog“ die einzigen überlieferten Bilddokumente der betreffenden Objekte überhaupt. Durch sie erhält der 1945 eingetretene Verlust ein konkretes Gesicht und wird eigentlich erst qualifizierbar. Viele Museen erfahren nun erstmals, was sie verloren haben. Zugleich wird ihnen eine Basis an die Hand gegeben, Eigentumsansprüche an ehemaligen Beständen auch belegen zu können.
 

Das Projekt

Der brandenburgische Museumsverband plant die Rekonstruktion, Erschließung und Veröffentlichung dieser einmaligen Quelle. Ziel des Projekts ist es, brandenburgischen und ehemals brandenburgischen – heute polnischen – Museen zu ermöglichen, ihre Kriegs- und Nachkriegsverluste zu identifizieren und ggf. zurückzuerlangen. Das Projekt dient jedoch nicht nur der materiellen Rückführung historischer Sammlungen, sondern darüber hinaus der immateriellen Wiedergutmachung, indem es verirrte Objekte an ihren eigentlichen Ort zurückbringt – oder auch  Verlorenes als solches identifizierbar macht. Diese Aufklärungsarbeit – ein Dreivierteljahrhundert nach Kriegsende – dient der Wiederherstellung der kulturellen Identität der einzelnen Museen und der gesamten Museumslandschaft.

In Vorbereitung begann der Museumsverband im Jahr 2018 damit, die erhaltenen Teile der Kartei virtuell zusammenzuführen. Die bisher bekannten Karteikarten und Fotos des Katalogs wurden gescannt und in einer Datenbank erfasst. Um gegebanfalls weitere zur Kartei gehörige Dokumente zu identifizieren, bitten wir Sie um Hinweise, wenn sich in Ihren Häusern Fotografien oder Korrespondenzen befinden, die zum „Gesamtkatalog märkischer Heimatmuseen“ aus den 1940er Jahren gehören.

Kontakt:

Dr. Susanne Köstering
Tel. 0331 / 23 27 912
E-Mail: koestering@museen-brandenburg.de

 


Von Links nach Rechts, Zwei Ostereier aus dem Museum Beelitz (Albert Heyde-Stiftung, RR-F), Dreihenkliger Kugeltopf aus dem Museum Nauen (Museumsverband des Landes Brandenburg e.V., RR-F), Anna Selbdritt aus dem Museum Müncheberg (Archiv Landesgeschichtliche Vereinigung der Mark Brandenburg, RR-F), Kurmarkschau 1937 Museum Frankfurt (Oder) (Archiv Landesgeschichtliche Vereinigung der Mark Brandenburg, RR-F)

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