Dieses Haus ist ein Muss für Kunst- und Architekturfreunde – und ein wahres Kraftpaket. Eine echte Energiestation ist das Brandenburgische Landesmuseum für bildende Kunst nämlich einst gewesen, und das soll das alte Dieselkraftwerk heute auch wieder sein. Zwei Häuser sind es genau genommen, die der Berliner Baumeister Werner Issel 1927 im Auftrag der AEG errichten lässt: ein Maschinen- und ein Schalterhaus, beide aus dunklen Lausitzer Klinkermauern. Durch einen lichten Innenhof und eine hohe, netzartig wirkende Wand miteinander verbunden, bilden sie ein einzigartiges Ensemble modernen Industriebaus: Klar und sachlich, ganz Geist der 20er Jahre, kraftvoll-expressiv und – mit seinen geometrisch- strengen Formen an die norddeutsche Backsteinarchitektur erinnernd, – steht dieses Bauwerk da wie ein traditionsbewusstes Zeichen für den Aufbruch in eine neue Zeit.
Doch, da die Zeiten, in denen in Innenstädten Mineralöl zur Stromerzeugung verfeuert wurde, längst vergangen sind – und die 1978 eröffneten Kunstsammlungen aus allen Nähten platzten – haben die Stadt und das Land Brandenburg das alte Kraftwerk zum Kunstmuseum umgebaut. Seit Mai 2008 ist inmitten der spannungsvollen Architektur moderne Kunst zu erleben. Der Hof wurde zur gläsernen Halle, durch die der Besucher in die Ausstellungsräume tritt. 22 300 Objekte – Malerei vom Expressionismus bis in die Gegenwart, Skulpturen und Fotografien sowie Plakate aus aller Welt – werden hier aufbewahrt und präsentiert. Und weil bei dieser Fülle stets nur ein Teil zu sehen ist, lohnt der Besuch des Museums, das seinen Sammlungsschwerpunkt seit Mitte der 90er Jahre in den Themen Landschaft, Raum, Natur und Umwelt gefunden hat, gewiss immer wiede.
Text: Martin Stefke