Rathenaus Liebe zum etwas spröden aber unpathetischen Frühklassizismus entsprach seiner nach Bändigung und rationaler Beherrschung strebenden Persönlichkeit, die eigene Hemmungen und öffentliche Diskriminierung als Jude durch die Ästhetisierung des persönlichen Lebensstils auszugleichen versuchte.
Rathenau nahm in Freienwalde über zehn Jahre seinen Sommeraufenthalt, nachdem er das Äußere des Schlosses durch einen von dorischen Säulen getragenen halbrunden Altan an der östlichen Schmalseite und eine den klassizistischen Charakter betonende Fassadengestaltung verändert hatte. Das Innere des Hauses versuchte er im Stile der Erbauerin Friederike Luise zu restaurieren und zu ergänzen.
In Freienwalde besuchten ihn seine engsten Mitarbeiter und literarischen Freunde, mit denen er regen Austausch über Fragen der Politik, Wirtschaft und Kunst pflegte. Mehrere Male waren Gerhart Hauptmann und Carl Sternheim mit ihren Familien zu Gast. Rathenau selbst nutzte die Stille des Landsitzes für seine umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit. Im Jahre 1918 brachte er seinen Besitz zum Zwecke der Förderung von Wissenschaft und Kultur in die von ihm gegründete „Walther- Rathenau-Stift GmbH“ ein, deren Anteile er selbst behielt. 1922 wurde Rathenau von rechtsgerichteten Verschwörern ermordet.
Die Erben, seine Schwester Edith Andreae und deren vier Töchter, schenkten 1926 Schloss und Park Freienwalde dem damaligen Landkreis Oberbarnim und schufen so die Voraussetzung dafür, „hier eine Stätte der Erinnerung an die altpreußische Kultur um die Wende des 18. Jahrhunderts und an Walther Rathenau“ einzurichten. Seit der Machtübernahme der Nazis bis zum Ende der DDR erinnerte in dem 1945 ausgeplünderten Schloss nichts mehr an Walther Rathenau. Erst 1991 erfolgte durch den damaligen Landkreis Bad Freienwalde und die Walther Rathenau Gesellschaft e.V. die Neugründung der Walther-Rathenau-Stift gGmbH sowie die Einrichtung einer ständigen Rathenau-Gedenkstätte.